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Eine Stunde Bildungsstreik

November 17th, 2009 rbu

In diesen Minuten demonstrieren (mehr oder weniger) fünftausend Schüler und Studenten auf der Spandauer Straße in Berlin. Ich war auch am Roten Rathaus, doch meine Ideen von besserer Bildung (frühzeitig, durchlässig, besser ausgestattet, kostenfrei) sprachen dort nur wenige aus. “Kritik am Bildungssystem ist immer auch Kritik am Kapitalismus!” schallt es. Man verkauft T-Shirts und protestiert, die Universitäten seien “Steigbügelhalter des neoliberalen Systems”. Ich fühle mich instrumentalisiert von den Ideologen am Mikrofon.

Ich kann mich entscheiden, im “schwarzen Block” der Autonomen, im roten Block der Kommunisten, bei den Antifaschisten oder den Antikapitalisten mitzulaufen. Dann doch lieber zur S-Bahn.

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  1. florian
    November 17th, 2009 at 15:14 | #1

    full ack!

  2. Joy Ping
    November 17th, 2009 at 18:02 | #2

    Würdest du gerne in dem CDU-Block laufen? Gefällt dir das “neoliberale” System?

  3. November 17th, 2009 at 18:23 | #3

    Ich will für eine Sache demonstrieren, nicht für ein fertig geschnürtes Paket oder System. Darum ist auch eine Partei oder die Frage von “neoliberal” irrelevant. Muss jeder Demonstrant dieselbe Partei wählen?

  4. Bernd
    November 17th, 2009 at 19:39 | #4

    Habe eh das Gefühl das der Studentenprotest momentan zu stark von Seiten der Links(lieberalen) dominiert wird. Konkrete Lösung wären mir lieber als politische Parolen. Solange es hauptsächlich um das Demonstrieren und nicht um die Lösung geht, bzw. man die alten Ideologien vom Antikapitalismus etc. pp. nicht in die Tonne wirft halte ich mich von solchen Veranstaltungen fern.

  5. jaclar
    November 18th, 2009 at 01:48 | #5

    Natürlich werden die Proteste von Links nicht nur dominiert, sondern getragen. Der RCDS z.B. ist absolut gegen die Studentenproteste. Und wenn man sich in den uniinternen Gremien umschaut sind es meistens die “Linken” die aktiv sind und sich für bessere Studienbedingungen einsetzen. Dort wo es eine konservative Koalition (an der TU Berlin) an die Macht geschafft hat, tragen sie eher zum Sozialabbau bei: http://www.astafu.de/aktuelles/archiv/a_2007/presse_01-23a
    Und die Behauptung, dass die Inhalte losgelöst von dem System betrachten kann ist auch irgendwie etwas fragwürdig. Bildung ist ein zentraler Bestandteil unserer Gesellschaft und mit ihr auf vielen Ebenen verwoben. Wenn man die Bildungspolitik ändert/ändern will, dann ändert das auch die gesamte Politik und umgekehrt. Sprich sobald du für eine “Sache” demonstrierst, kritisierst du das System.
    Hätten wir z.B. ein neoliberales System, dann gäbe es keine kostenfreie Bildung (wie in den USA z.B.) denn in deren Augen wäre das schädlich und ineffizient.
    Und wenn man die Sache auf Computersprech runterbricht, dann ist es auch immer das System (Porgammiersprache, Betriebsystem, Framework, etc) das die Rahmenbedingungen und Limitierungen setzt. ;-)

  6. Karl Marx
    November 18th, 2009 at 14:55 | #6

    Wie wär es denn mal, einfach nicht jenen zu glauben, die Sozialismus und Kommunismus für sich reklamieren, ohne je unvoreingenommen den Wissenschaftler Karl Marx zu lesen oder gar verstanden zu haben? Wie jeder Wissenschaftler liegt der Gute sicher auch falsch, immerhin sind seine Beiträge teils mehr als 150 Jahre alt. Die Neoliberalen stützen sich mit Adam Smith aber auf noch ältere Wurzeln und sind genauso ideologisch. Die Ausplündung des Staats- und Steuersäckels in den letzten 12 Monaten wird übrigens besser mit Karl als mit Adam erklärt. Wenn der Steuersäckel leer ist – und in Berlin war er das schon nach den Ausplündereien zugunsten der Landesbank – gibts halt nix für die Universitäten und die Schulen. Ganz unideologisch prakitsch. Schöne Grüße aus Chemnitz, Karl der Zahme

  7. Adam Smith
    November 18th, 2009 at 15:45 | #7

    naja, sogar die TAZ hat einen passenden Artikel…

    http://www.taz.de/1/zukunft/wissen/artikel/1/bitte-kein-68er-revival/

  8. Karl Marx
    November 18th, 2009 at 16:15 | #8

    Das Aktenköfferchen-Gejammere der um ihre Karriere besorgten, war auch in jenen beiden Studentenstreiks hörbar, an denen ich in meinem Leben teil genommen habe. Derlei Forderungen nach besserem Klopapier für Studenten wurden – wenn nicht erfüllt – doch meist mit guten Worten erledigt. Wer, wenn nicht Studenten, sollten einen weiteren Kontext im Auge haben, als Studenten. Wer schon nicht die von Schließung bedrohten Universitäten Teherans berücksichtigen will, wo es um etwas mehr geht, als die eigene Karriere, sollte mal überlegen, was die Ausplünderungen der bundesdeutschen Staatshaushalte durch neoliberale Ausbeuter mit ihren Studienbedingungen zu tun haben. Auch wenn das nicht mit der neoliberalen trivialmathematischen Ideologie kompatibel ist, die studierte Wegelagerer (BWLer) in ihren Vorlesungen vorgesetzt bekommen. Aber selbst jene Evers-Jünger bekommen ihren studiengebührenden Arsch, nicht mal hoch, wie man man im TAZ-Artikel lesen kann. Wenn die 68er das Problem wären, würde es wohl reichen, aus den Puschen zu kommen und die eigene 2009er-Meinung zu vertreten. Aber da hat der Neo-Muff schon vorgesorgt, der seine Bachelor-Curricula nicht nur europa- bundes-, nein sogar berlinweit inkompatibel vollgemüllt hat und sich so kontextunabhängiger Kritik als zu sachfern oder laienhaft vom Hals hält. Ergebnis sind Studenten, deren partikulares Wissen in der Wirtschaft nur von jenen nachgefragt werden, die diesen Opal-Müll als Edelstein der Waisen selbst fressen mussten. Obstipation auf den Arbeitsmarkt ist das Ergebnis. Lesetipp: Gedanken über Universitäten, Ludwik Fleck, Thomas Kuhn, Paul Feyerabend, Friedrich Schleiermacher zur Gründung der Friedrich-Wihlhelms-Universität (heute Humboldt-Universität).

  9. Bernd
    November 19th, 2009 at 23:48 | #9

    @Karl Marx
    Dazu mal als Strukturkritik (Inhaltlich tue ich mir den Post von dir nicht an. Wer Regel #1 der Kommunikation missachtet muss damit leben das ihm keiner zuhört.)

    “Epileptisch-kontraindizierende Verbalinjurien mutmaßlich
    posttraumatischen Ursprungs bringen das Forum niemals in den Zustand
    besagter Rosengärten sondern führen eher zum Cerebralverfall bei der
    Zielgruppe aufgrund von Mikroblutungen.” — http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Re-Selbstachtung-ist-kein-Stolz/forum-143201/msg-15482768/read/

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